Christian Camenzind macht sich für
moderates Bankgeheimnis
stark
Die Schweizer Banken
waren der deutschen Bundesregierung schon immer ein Dorn im
Auge. Schließlich war es stets ein offenes Geheimnis, dass die
Bundesbürger wegen des Bankgeheimnisses dazu in der Lage waren,
ein gewisses Einkommen zu unterschlagen und somit Steuern
illegal einzusparen. Doch diese Zeit scheint nun beendet zu
sein. Die Schweizer Banken haben der Bundesregierung nämlich
die Zusage gemacht, man würde bei der Aufklärung von
Steuerbetrügereien Hilfe leisten. Seit dies öffentlich bekannt
wurde, wird das Finanzamt mit Selbstanzeigen überhäuft. In den
Medien war daher schon die Aussage zu hören, dass die Deutschen
offenbar mehr Schwarzgeld als Nerven haben. Kaum ist die
Zusammenarbeit der deutschen Bundesregierung und der Schweizer
Banken öffentlich bekannt geworden, flattern bei den Deutschen
die Nerven und man fürchtet vor strafrechtlichen Konsequenzen.
Grund genug also, um eine Selbstanzeige zu erstatten. Denn wer
sich selber anzeigt, der muss immerhin keine Geld- oder
Freiheitsstrafe befürchten. Das deutsche Steuersystem ist so
ausgelegt, dass man nach einer Selbstanzeige nur eine
Steuernachzahlung leisten muss. Würde man hingegen keine
Anzeige gegen sich selbst erstatten und das Finanzamt entdeckt
eigenständig die Steuerhinterziehung, so wäre eine Anklage
vorprogrammiert.
Aus Sicht der deutschen
Bundesregierung ist die Aufhebung des bisherigen Schweizer
Bankgeheimnisses mit einem finanziellen Segen verbunden. Durch
die Selbstanzeigen und der damit verbundenen
Steuernachzahlungen klingeln die Kassen und die Mehreinnahmen
können für Projekte jeder Art verwendet werden.
Während die Politiker also Grund zur Freude haben, werden auf
der anderen Seite die kritischen Stimmen immer lauter. Immer
häufiger wird von einem “gläsernen Kunden” gesprochen, dessen
Rechte durch die Aufhebung des bisherigen Bankgeheimnisses
unterbuttert werden. Christian Camenzind ,der CEO
der Privatbank Sal. Oppenheim Schweiz, hat zum Beispiel die
Auffassung, die Schweizer Banken müssen sich professionell,
gesprächsbereit und seriös zeigen, um ein moderates
Bankgeheimnis zu bewahren. Diese käme letztendlich dem
Kunden zugute und ist somit Grund genug, die Bemühungen in
solch eine Richtung zu lenken. Ein automatisierter
Informationsaustausch solle unbedingt verhindert werden,
weil man so das Vertrauen der Kundschaft missbrauchen
würde.
Christian Camenzind
Oppenheim steht mit dieser Meinung nicht
alleine da. In den vergangenen Wochen machten sich immer
mehr Experten für das Bankgeheimnis stark und vertreten
somit das Interesse der Kunden. Und selbst aus Sicht der
Politiker wird es als fraglich hingestellt, ob eine
Aufhebung des bisherigen Bankgeheimnisses letztendlich ein
großer Vorteil für die Steuerfahndung wäre. Sollte der
Schutz für die ausländischen Steuerhinterzieher aufgehoben
werden, so schätzt jedenfalls der Ökonom Rudolf Strahm,
würde die Wertschöpfung nur um 1 bis 2 Prozent zurückgehen.
Ohnehin machen nur die Hälfte aller Schweizer Banken
Geschäfte mit ausländischen Geldern. Die Bedeutung der
Schweizer Bankunternehmen wird aus wirtschaftlicher Sicht
also stark überschätzt. Daher wäre eine vollständige
Aufhebung von dem Bankgeheimnis ein gravierender Fehler.
Die gleiche Meinung vertritt auch der Steuerexperte Hans-Lothar
Merten. In einem Statement gibt er zu bedenken, dass die
Aufhebung von dem Bankgeheimnis den Schweizer Finanzmarkt
“töten” würde. Laut seiner Meinung braucht Geld ein hohes Maß
an Diskretion, womit er noch einmal klar stellt, dass er
eindeutig hinter dem Bankgeheimnis
steht.
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